Oben
  • Drucken
  • schlecht ausreichend durchschnitt gut besonders gut
    Bewertungen
Trennung

"Funkstille" zwischen Eltern: Kein gemeinsames Sorgerecht

24.01.2017

Dass Eltern sich nach einer Trennung nur noch wenig zu sagen haben, ist nicht ungewöhnlich. Die Ausübung des gemeinsamen Sorgerechts für die Kinder erfordert jedoch ein Mindestmaß an Kooperation und Kommunikation. Lehnen dies beide Elternteile vehement ab, muss einer allein das Sorgerecht bekommen. Dies entschied das Oberlandesgericht Brandenburg.
OLG Brandenburg, Az. 10 UF 216/14

Hintergrundinformation

Trennen sich unverheiratete Eltern, die Kinder haben, stellt sich schnell die Frage nach dem Sorgerecht. Grundsätzlich liegt dieses erst einmal bei der Mutter. Allerdings können die Elternteile bei der Trennung auch eine gemeinsame Sorgeerklärung abgeben – oder sie haben dies schon früher getan. Seit 2013 kann der Vater auch gegen den Willen der Mutter nach der Trennung beim Familiengericht das gemeinsame Sorgerecht beantragen. Dieses dürfen ihm die Richter nur aus gutem Grund verweigern. Besteht ein gemeinsames Sorgerecht und möchte ein Elternteil das alleinige Sorgerecht bekommen, muss ebenfalls das Familiengericht entscheiden. Dessen Entscheidung orientiert sich daran, was für das Kind das Beste ist.

Der Fall:

Ein unverheiratetes Elternpaar hatte zwei Kinder. Für das eine Kind hatten beide im Rahmen einer Sorgerechtserklärung das gemeinsame Sorgerecht übernommen, für das andere hatte die Mutter allein das Sorgerecht. Es kam zur Trennung und der Vater zog aus der Wohnung aus. Zwischen den Eltern kam es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen über den Umgang mit den Kindern. Unter anderem beschuldigte die Mutter den Vater, die Kinder bei Ausflügen unnötigen Gefahren auszusetzen. Sie stellte mehrfach Strafanzeige gegen den Vater. Da ein normaler Umgang zwischen den Eltern kaum mehr möglich war, beantragten nun beide Eltern das alleinige Sorgerecht für beide Kinder.

Das Urteil:

Das Gericht hielt es für unumgänglich, einem der Elternteile das alleinige Sorgerecht zuzusprechen. Denn beide hatten betont, nie mehr mit dem anderen sprechen zu wollen. Zwar schließe nicht jede Spannung zwischen den getrennten Eltern gleich das gemeinsame Sorgerecht aus. Ein gewisses Maß an Kooperation sei aber notwendig. Sei dies überhaupt nicht mehr möglich, sei ein gemeinsames Sorgerecht nicht tragbar. Problematisch war, wer das Sorgerecht erhalten sollte. Das Gericht ging davon aus, dass die Mutter sehr starken Einfluss auf die Kinder ausübte. Aussagen gegen den Vater würden wie auswendig gelernt klingen und vorherigen Aussagen der Kinder vor Gericht widersprechen. Im Ergebnis entschied sich das Gericht trotzdem für die Mutter. Denn die Kinder lebten bereits bei ihr und dies sorge für Kontinuität in ihrem Leben. Auch seien sie bei der Mutter stärker in deren Familie eingebunden. Und schließlich könne das Gericht aus den Sachverständigengutachten herauslesen, dass die Kinder zur Mutter zumindest in geringfügigem Maße eine größere Bindung hätten als zum Vater. Allerdings machte das Gericht der Mutter zur Auflage, einen Kurs über das Verhalten gegenüber Kindern in Trennungssituationen zu besuchen.

Oberlandesgericht Brandenburg, Beschluss vom 15. Februar 2016, Az. 10 UF 216/14

Permalink

Ähnliche Beiträge:

Mädchen füttert Wildgänse

Entenfüttern: Lieber nicht?

7.11.2017

Rechtsfrage des Tages

Gerade kleinere Kindern haben oft eine besondere Verbindung zu Tieren. Was liegt da näher, mit dem Nachwuchs Entenfüttern zu gehen. Was Sie beachten sollten, erfahren Sie hier.

Kürbis

Halloween: Haftung für böse Streiche

30.10.2017

Rechtsfrage des Tages

Morgen ist es wieder soweit: Hexen, Monster und Feen werden durch die Straßen ziehen und "Süßes oder Saures" rufen. Das ist lustig, solange es nicht wirklich "Saures" gibt. Hier erfahren Sie wer haftet, wenn Ihr Kind statt eines harmlosen Streiches wirklichen Schaden anrichtet.

Blick aus Flugzeug

Geboren über den Wolken

19.10.2017

Rechtsfrage des Tages

Natürlich kommt es nur sehr selten vor, dass Babys hoch über den Wolken in einem Flugzeug geboren werden. Dennoch stellt sich in einem solchen Fall die Frage, welche Staatsangehörigkeit das Neugeborene bekommt. Hier erfahren Sie, welche Möglichkeiten in Betracht kommen.

D.A.S. Leistungsservice

D.A.S. Leistungsservice

Immer eine gute Idee, wenn Sie in Sachen Recht nicht weiterwissen: Rufen Sie an! Der D.A.S. Leistungsservice steht Ihnen als Rechtsschutz-Kunden gern unter der gebührenfreien Direktwahl 0800 3273271 zur Verfügung!

Kontakt

0800 3746-555
gebührenfrei