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Fitnessstudio

Probetraining im Fitnessstudio: Kein Widerruf

5.03.2013

Ein Probetraining in einem Fitnessstudio dient für jeden erkennbar zu Werbezwecken. Wer dabei einen langfristigen Vertrag unterzeichnet, kann nicht kurze Zeit später behaupten, überrumpelt worden zu sein. Das Amtsgericht München erklärte einen entsprechend begründeten Vertragsrücktritt für ungültig.
AG München, Az. 223 C 12655/12

Hintergrundinformation:

Bei bestimmten Vertragsabschlüssen steht Verbrauchern ein besonderes Widerrufsrecht zu. Dies gilt für Verträge, die durch mündliche Verhandlungen am Arbeitsplatz oder in der Privatwohnung des Kunden abgeschlossen werden (sogenannte Haustürgeschäfte), bei Vertragsabschlüssen anlässlich einer von einem Unternehmen durchgeführten Freizeitveranstaltung oder wenn der Verbraucher überraschend in Verkehrsmitteln oder auf öffentlich zugänglichen Verkehrsflächen angesprochen wurde. Geregelt ist das Widerrufsrecht in § 312 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Widerrufen werden kann grundsätzlich innerhalb von 14 Tagen, eine Begründung ist nicht erforderlich.

Der Fall:

Eine Münchnerin war durch eine Werbung auf ein Fitnessstudio aufmerksam geworden, welches ein kostenloses Probetraining anbot. Sie ging hin und unterschrieb noch vor dem Probetraining einen Vertrag mit einer Mindestlaufzeit von 12 Monaten. Nach Begutachtung der Räume und Trainingsangebote entschied sie sich jedoch um und kündigte schon am nächsten Tag. Der Betreiber akzeptierte die Kündigung auch – für das Ende der Vertragslaufzeit, also nach einem Jahr. Die Frau bezahlte den verlangten Jahresbeitrag von 596 Euro nicht. Sie war der Meinung, überrumpelt worden zu sein.

Das Urteil:

Das Amtsgericht München gab dem Studio-Betreiber Recht. Der Kundin habe kein Rücktritt vom Vertrag zugestanden. Es habe sich hier nicht um ein Haustürgeschäft oder einen Vertragsabschluss im Rahmen einer Freizeitveranstaltung gehandelt. Es sei allgemein bekannt, dass ein kostenloses Probetraining im Fitnessstudio den Zweck habe, neue Kunden anzuwerben. Werde anlässlich eines Probetrainings ein Vertrag geschlossen, handle es sich nicht um eine „Überrumpelung“ des Kunden. Die Frau musste daher die Jahresgebühr zahlen.
Amtsgericht München, Urteil vom 25.10.2012, Az. 223 C 12655/12

 

 

Checkliste für Ihren Fitnessvertrag

 

1. Erst prüfen, dann unterschreiben!
Lassen Sie sich nicht dazu drängen, den Vertrag gleich im Studio zu unterschreiben. Oft wird Ihnen ein Super-Sonderangebot in Aussicht gestellt, wenn Sie »noch heute beitreten«. Dann ist Vorsicht angebracht! Nehmen Sie den Vertrag lieber mit nach Hause und lesen Sie ihn in Ruhe durch. Sie müssen bedenken: Haben Sie erst einmal unterschrieben, ist der Vertrag verbindlich abgeschlossen.

2. Wie lange sollten Sie sich an den Vertrag binden?
Vor allem für Einsteiger in die Fitnessbranche gilt: So kurz wie möglich! Oft können Sie vorab nicht wirklich übersehen, ob Ihnen das Training in einem Fitnessstudio liegt oder ob Ihnen Beruf und Familie tatsächlich genug Zeit dafür lassen. Wählen Sie zunächst erst einmal eine kürzere Laufzeit, auch wenn die Beiträge teurer sind. Oder vereinbaren Sie eine Probezeit, beispielsweise »Während der ersten drei Monate kann die Mitgliedschaft jederzeit zum Ende des laufenden Monats gekündigt werden.«

3. Stoppen Sie die »Verlängerungsautomatik«!
Die meisten Verträge sehen eine automatische Verlängerung der Laufzeit vor. Eine solche Klausel sollten Sie streichen. Wenn sich der Studiobetreiber nicht darauf einlässt: Notieren Sie sich gleich das erste mögliche Kündigungsdatum in Ihrem Kalender und kündigen Sie lieber ein paar Monate vor dem letztmöglichen Termin.

4. Welche Leistungen werden tatsächlich angeboten?
Welche Leistungen werden tatsächlich angeboten? Ist alles (d. h. Gerätetraining, Trainer usw.) inklusive oder müssen Sie die Sauna, den Squash-Court und die Aerobic-Kurse usw. extra bezahlen? 

5. Aufgepasst auch bei den Beitrags-Klauseln!
Achten Sie vor allem auf Klauseln, die den kompletten Jahresbeitrag von Ihnen verlangen, falls Sie mal mit Ihren Zahlungen in Verzug kommen. Oft fallen dann hohe Beträge auf einen Schlag an!

6. Welche Kosten werden von Ihnen verlangt?
Müssen Sie eine Aufnahmegebühr bezahlen? Gibt es nur einen klar geregelten Monatsbeitrag oder fallen versteckte Kosten an – zum Beispiel Gebühren für Zugangskarten, Spinde, Aufnahmegebühren, jährliche Beitragserhöhungen? 

7. Wie sind die Kündigungsmodalitäten geregelt?
Ist für die Kündigung eine besondere Form (z. B. Schriftform) vorgesehen? Dann vermerken Sie das gleich neben dem ersten möglichen Kündigungsdatum in Ihrem Kalender! Achten Sie auch auf die Kündigungsfristen. Dasselbe gilt für Klauseln, durch die Ihre Kündigungsmöglichkeiten eingeschränkt werden (vgl. oben Punkt 1).

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