Oben
  • Drucken
  • schlecht ausreichend durchschnitt gut besonders gut
    Bewertungen
Kreuzfahrtschiff

Reisepreisminderung auf dem "Traumschiff"

9.02.2016

Dient ein Kreuzfahrtschiff während einer Reise als Kulisse für Dreharbeiten, kann dies zu einer Reisepreisminderung führen. Dies entschied das Amtsgericht Bonn. Urlauber hatten wegen der Dreharbeiten für das „Traumschiff" ständig Teile des Schiffs nicht betreten dürfen und den Lärm von Kulissenbau und Megafonanweisungen an die Filmcrew erdulden müssen.
AG Bonn, 101 C 423/15.

Hintergrundinformation:

Der Urlaub sollte eigentlich die schönste Zeit des Jahres sein. Aber nur allzu oft geht dabei etwas schief: Das Hotel entspricht nicht der Beschreibung, der Pool ist verschmutzt, Lärm verhindert die Erholung. In solchen Fällen können Urlauber nach dem Reiserecht des Bürgerlichen Gesetzbuches Abhilfe fordern und, wenn diese nicht greift, nach dem Urlaub eine Minderung des Reisepreises oder gar Schadenersatz verlangen. Wichtig dabei: Betroffene müssen schon vor Ort Abhilfe fordern. Auch sind Beweismittel wie Fotos und Zeugen wichtig. Und: Das Problem muss den Urlaub erheblich beeinträchtigt haben.

Der Fall:

Ein älteres Ehepaar hatte auf einem Kreuzfahrtschiff eine 26 Tage lange Reise von Vietnam nach Neuseeland gebucht. Niemand hatte den beiden vorher gesagt, dass ihr Schiff „MS Amadea" als Drehort für die Fernsehserie „Das Traumschiff" genutzt wird – und zwar auf ganz regulären Reisen. Nun mag ja mancher Reisende erfreut sein, wenn ihm Sascha Hehn und Heide Keller begegnen oder er einen Blick hinter die Kulissen einer TV-Produktion werfen kann. Nicht so jedoch dieses Ehepaar. Denn allzu oft konnten die beiden das Promenadendeck oder andere Teile des Schiffes nicht betreten, auch störten das Hämmern und Sägen bei Kulissenbauarbeiten und die durch ein Megafon schallenden Anweisungen an die Filmcrew. Das Paar forderte daher vom Reiseveranstalter eine Minderung des Reisepreises.

Das Urteil:

Das Amtsgericht Bonn hatte für die Urlauber Verständnis. Das Gericht gestand den beiden eine Reisepreisminderung von 20 Prozent an den 12 Drehtagen zu, immerhin 1.022 Euro. Denn eine Reise sei nur dann vertragsgemäß, wenn die Reisenden ständig die Möglichkeit hätten, die zugesagten Freizeitmöglichkeiten und Einrichtungen zu nutzen. Seien Bereiche wie das Promenadendeck regelmäßig nicht nutzbar, entspreche die Reise nicht mehr den Vereinbarungen. Das Gericht bezog in seine Erwägungen auch ein, dass es sich hier um ein relativ kleines Schiff mit nur 600 Passagieren gehandelt hatte. So hatten die Gäste den Dreharbeiten kaum aus dem Weg gehen können.

Amtsgericht Bonn, Urteil vom 15.01.2016, Az. 101 C 423/15

Permalink

Ähnliche Beiträge:

Müll am Strand

Minderung des Reisepreises

20.09.2017

Minderung, Schadensersatz und Erstattung

Minderung des Reisepreises: Wenn sich Ihre Urlaubsträume nicht erfüllen. Was zu beachten ist und wie Sie Ihr Geld zurückbekommen.

Strassensperrung

Reisemängel: Einige Beispiele

20.09.2017

Reisemängel

Hier finden Sie eine Auflistung verschiedener Reisemängel rund um Ihren Urlaub. Was ist erheblich und was unerheblich?

Checkliste

Mängelanzeige und Abhilfe

20.09.2017

Reisemängel

Abhilfe bei Reisemängeln: Fordern Sie Ihren Reiseveranstalter heraus und verlangen Sie Abhilfe bei Reisemängeln.

D.A.S. Leistungsservice

D.A.S. Leistungsservice

Immer eine gute Idee, wenn Sie in Sachen Recht nicht weiterwissen: Rufen Sie an! Der D.A.S. Leistungsservice steht Ihnen als Rechtsschutz-Kunden gern unter der gebührenfreien Direktwahl 0800 3273271 zur Verfügung!

Kontakt

0800 3746-555
gebührenfrei