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Reiseapotheke

Krankenversicherungsschutz im Ausland

25.08.2016

Bin ich über die gesetzliche Krankenkasse auch im Ausland versichert? Werden sämtliche Behandlungskosten übernommen? Was ist, wenn ich als privat Krankenversicherter im Ausland erkranke? Erfahren Sie mehr hierzu auf der nachfolgenden Seite.

gesetzliche Krankenversicherung

Die gesetzlichen Krankenkassen sind nur dazu verpflichtet, Leistungen im Inland zu erbringen. Aufgrund von zwischen- und überstaatlichen Regelungen gibt es aber Ausnahmen von dieser Regelung.

Krankenversicherungsschutz in den Mitgliedsstaaten der europäischen Union

In den Mitgliedstaaten der Europäischen Union und in Großbritannien gilt das Prinzip der sog. Sachleistungsaushilfe: Dort können Sie nach Vorlage Ihrer europäischen Krankenversicherungskarte  Sachleistungen in Gestalt von ambulanten ärztlichen Behandlungen in Anspruch nehmen auf Basis der jeweils im Urlaubsland gültigen Gesetze. Krankenhausleistungen können Sie nur nach vorheriger Zustimmung Ihrer Krankenkasse in Anspruch nehmen: Die Krankenkasse ist nämlich berechtigt, die Zustimmung zu verweigern, und zwar dann, wenn sie feststellt, dass eine gleichermaßen wirksame Behandlung auch bei einem Vertragspartner im Inland erfolgen könnte (vgl. § 13 Abs. 5 SGB V). 

Gut zu wissen

Der Leistungsumfang ist von (Urlaubs-) Land zu (Urlaubs-) Land unterschiedlich. Auch die Höhe etwaiger Zuzahlungen. Wir empfehlen daher, sich vor Reiseantritt an Ihre Krankenkasse zu wenden. Diese hält entsprechende Merkblätter bereit. Diesen Merkblättern können Sie dann entnehmen, welche Ärzte oder Krankenhäuser Sie aufsuchen können und welche Zuzahlungen ggf. auf Sie zukommen werden.

Selbstverständlich können Sie als gesetzlich Versicherter auch private Ärzte aufsuchen und sich von diesen behandeln lassen. Dann müssen Sie hinsichtlich der Kosten allerdings in Vorkasse treten und nach Ihrer Rückkehr bei Ihrer Krankenkasse um Erstattung bitten. 

Gut zu wissen

Die deutsche Krankenkasse ist nicht dazu verpflichtet, Ihnen sämtliche Kosten der Privatbehandlung zu erstatten. Sie ist nur verpflichtet, solche Behandlungskosten zu erstatten, zu deren Übernahme sie auch im Inland verpflichtet wäre. Im Übrigen müssen Sie damit rechnen, dass Ihre Krankenkasse Verwaltungskosten nicht trägt, die man Ihnen aber in Rechnung gestellt hat.

Der Patient kann sich auch bewusst für eine Behandlung innerhalb eines Mitgliedsstaats der europäischen Union entscheiden, beispielsweise eine zahnärztliche Behandlung. Der Patient muss dann zwar auch wiederum in Vorkasse treten. Die Krankenkasse erstattet ihm aber die Kosten, wenn er zuvor einen Heil- und Kostenplan eines in Deutschland niedergelassenen Zahnarztes vorgelegt und diese den Plan abgesegnet hat.

Aber Vorsicht!

Diese Variante birgt Risiken, nämlich dann, wenn Nachbehandlungen erforderlich werden, weil eingefügte Teile nicht 100%-ig passen.  Entweder fallen zusätzlich Reisekosten an, nämlich dann, wenn die Nachbehandlung wiederum im Ausland durchgeführt wird oder der Patient verliert seinen Garantieanspruch, nämlich dann, wenn er einen in Deutschland zugelassenen Arzt mit der Nachbehandlung betraut.  

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen unter bestimmten Voraussetzungen auch die Kosten für eine Dialysebehandlung im europäischen Ausland, nämlich dann, wenn die Behandlung in einer Vertragseinrichtung erfolgt und wenn die Behandlung im Rahmen der Sachleistungshilfe abgerechnet werden kann. Worauf Sie als Betroffener im Einzelnen achten sollten, erfahren Sie bei Ihrer Krankenkasse. Einen ersten Überblick zu diesem Thema erhalten Sie u.a. auf der Internetpräsens des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen.

Krankenversicherungsschutz in den Staaten des europäischen Wirtschaftsraums

In Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz gilt das Prinzip der Sachleistungshilfe gleichermaßen. Zur Vermeidung von Nachteilen empfehlen wir aber auch hier, sich vor Reiseantritt bei der eigenen Krankenkasse über den Umfang und den Ablauf zu informieren.

Krankenversicherungsschutz in Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Montenegro, Serbien, Israel, Tunesien und der Türkei

Sollten Sie in eines der vorbezeichneten Länder reisen, so empfehlen wir, einen Auslandskrankenschein bei der heimischen Krankenkasse anzufordern und sich wegen des Versicherungsumfangs genau zu informieren, da das Prinzip der Sachleistungshilfe dort nur eingeschränkt gilt: Kosten für die Behandlung von Erkrankungen, die schon vor Reisebeginn bestanden haben, werden beispielsweise nicht übernommen. 

Gut zu wissen

In Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Montenegro, Serbien, Israel, Tunesien und der Türkei akzeptiert man Ihre Europäische Gesundheitskarte nicht. Sie benötigen in jedem Fall einen Auslandskrankenschein.

Bis hier hin haben Sie einiges zum Thema Kostenübernahme bei ärztlicher Behandlung im Ausland gelesen. Sicher haben Sie sich schon gefragt, wie es sich mit "Nebenleistungen" verhält etwa mit den Kosten für einen Krankenrücktransport oder den Kosten für die Überführung eines Leichnams. Erstere sind nicht vom Versicherungsschutz umfasst, da sie nicht in den sachlichen Leistungsbereich der Krankenkassen fallen. Dieser ist abschließend geregelt in den §§ 20 ff. SGB V. Letztere werden von den Krankenkassen nicht getragen, da diese außerhalb des persönlichen Leistungsbereichs liegen: Die Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung endet mit dem Tod des Versicherten (vgl. § 190 Abs. 1 SGB V). 

private Krankenversicherung

Privat Krankenversicherte sind in der Regel europaweit versichert ohne zeitliche Begrenzung. Im außereuropäischen Ausland ist der Versicherungsschutz meist auf sechs Monate begrenzt. Sicherheitshalber empfehlen wir aber auch den privat Versicherten dringend, sich bei ihrem Versicherer vor Urlaubsantritt darüber zu  informieren,

  • ob der bestehende Versicherungsvertrag Schutz im Urlaubsland bietet,
  • wie lange der Schutz ggf. gewährt würde,
  • was vor Inanspruchnahme der Behandlung zu beachten ist,
  • ob sämtliche Kosten übernommen werden.  

private Auslandskrankenversicherung

Viele private Versicherer bieten zusätzlich Auslandskrankenversicherungen an. Deren Abschluss ist vor allem dann sinnvoll, wenn einen die Reise in Gefilde führt, in der die europäische Gesundheitskarte nicht greift. Im Übrigen übernehmen private Auslandskrankenversicherer je nach Unternehmen und Tarif auch die Kosten für einen Krankenrücktransport oder für die Überführung eines Leichnams.

Gut zu wissen

Sie haben in der Regel keinen Anspruch auf Leistung aus der privaten Reisekrankenversicherung, wenn  

  • die Behandlung vor Reiseantritt im Inland begonnen wurde und im Ausland fortgesetzt werden soll.
  • wenn Sie eigens für die Behandlung ins Ausland gereist sind.  

Als Faustregel gilt: Anspruch auf Leistung besteht nur bei akuten und unvorhersehbaren Erkrankungen. 

Was ist, wenn chronisch kranke Patienten, etwa Dialysepflichtige, in die USA reisen wollen? Als gesetzlich Versicherte genießen sie außerhalb des europäischen Wirtschaftsraums eigentlich keinen Versicherungsschutz. Auch die private zusätzliche Auslandskrankenversicherung übernimmt die Kosten in der Regel nicht, weil die Dialysebehandlung ja vorhersehbar ist. Hier kommt den Betroffenen § 18 Abs. 3 SGB V zu Gute: Danach trägt die gesetzliche Krankenversicherung Kosten bis zu der Höhe, in der sie im Inland entstanden wären. Dies gilt aber nur für die Dauer von sechs Wochen pro Kalenderjahr. Bitte sprechen Sie in jedem Fall Ihre Krankenkasse vor Urlaubsantritt darauf an und klären ab, worauf Sie bei der Urlaubsdialyse außerhalb des europäischen Wirtschaftsraums achten müssen. 

Aber Vorsicht!

Verunfallt der chronisch kranke Patient im Urlaub in den USA, so ist er im Hinblick auf die Unfallfolgen nicht gesetzlich krankenversichert. Es empfiehlt sich daher, in jedem Fall zusätzlich eine private zusätzliche Auslandskrankenversicherung abzuschließen. 

 

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