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Frau mit Rucksack

Rechte bei Flugstorno

10.10.2016

Rechtsfrage des Tages:

Weil sich so viele Piloten krankgemeldet haben, wurde mein Flug storniert. Eigentlich wollte ich nach Barcelona fliegen. Habe ich Anspruch auf eine Entschädigung?

Antwort:

Die Laune dürfte bei allen Fluggästen auf dem Nullpunkt landen, wenn die geplante Reise aufgrund eines stornierten Fluges ausfallen muss. Für frustrierte Flugreisende sieht die EU-Fluggastrechteverordnung eine Reihe von Entschädigungsleistungen vor. Ab drei Stunden Verspätung oder kurzfristiger Annullierung steht Ihnen eine Entschädigungszahlung zu. Je nach Flugstrecke liegt diese zwischen 250 Euro und 600 Euro. Pro Person erhalten Sie 250 Euro für ausgefallene Flüge auf Kurzstrecken bis 1.500 Kilometern. Wird Ihr Mittelstreckenflug bis zu 3.500 Kilometern annulliert, können Sie 400 Euro beanspruchen. Bei Langstrecken liegt die Entschädigung bei 600 Euro.

Diese Werte gelten, wenn der Flug sehr kurzfristig abgesagt wurde und Sie nicht nur eine kurze Verspätung durch eine Umbuchung hinnehmen müssen. Auf den Preis Ihres Flugtickets kommt es dabei nicht an. Allerdings ist die Fluggesellschaft nicht zur Zahlung verpflichtet, wenn der Ausfall auf höherer Gewalt oder auf außergewöhnlichen Umständen beruht. Ein Bespiel für höhere Gewalt war der Vulkanausbruch auf Island. Da die Fluggesellschaft keinen Einfluss auf die Aschewolke hatte, konnte eine Entschädigung nicht verlangt werden. Ob nun die reihenweisen Krankmeldungen von Piloten und Kabinenpersonal zur höheren Gewalt zählen, ist bisher ungeklärt.

Sie werden Gerichtsurteile zu diesem Thema nur bezogen auf Einzelfälle finden. Die Tendenz der gerichtlichen Entscheidung ist dabei klar. Vereinzelte Krankmeldungen von Piloten oder Stewardessen gehört zum Risikobereich der Fluggesellschaft. Diese muss für Ersatz sorgen. Kann sie dies nicht und muss einen Flug streichen, muss sie auch die Entschädigung zahlen. Wie Gerichte hingegen den Fall massenhafter Krankmeldungen werten werden, ist derzeit noch offen. Die betroffenen Fluggesellschaften werden sich wohl auf höhere Gewalt berufen. Ob es aber einen Unterschied macht, ob sich nur einzelne Mitarbeiter krankmelden oder gleich eine ganze Schar, bleibt abzuwarten.

Sie können aber versuchen, Ihre Ansprüche gegenüber der Fluggesellschaft geltend zu machen. Neben einer möglichen Entschädigungszahlung haben Sie vor Ort zunächst Anspruch auf Verpflegungs- und Betreuungsleistungen. Außerdem können Sie sich den Ticketpreis erstatten lassen. Oder Sie greifen auf eine zeitnahe, alternative Beförderung zurück.

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