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Mann vor Facebook

Der digitale Nachlass

10.11.2016

Rechtsfrage des Tages:

Ich bin viel im Internet unterwegs. Neben E-Mails nutze ich soziale Netzwerke und Online-Shops. Was passiert eigentlich mit meinen ganzen Daten, wenn ich gestorben bin?

Antwort:

Es ist vollkommen richtig, sich über das digitale Erbe Gedanken zu machen. Zum einen können sich möglicherweise sensible Daten im Internet oder digitalen Speichermedien befinden. Und vielleicht sollen diese nur bestimmten oder gar keinen anderen Personen nach Ihrem Ableben zugänglich sein. Zum anderen besteht die Gefahr, dass Sie Ihren Erben auch offene Paypalforderungen, unbezahlte Onlinegeschäfte oder kostenpflichtige Dienste hinterlassen, von denen diese gar nichts wissen. Und das kann teuer werden, denn auch solche Forderungen gehören zum Erbe und können Ihren Hinterbliebenen quasi auf die Füße fallen.

Daher der erste Tipp: Schaffen Sie Ordnung in Ihrer virtuellen Welt und listen Sie insbesondere kostenpflichtige Dienste nebst Zugangsdaten auf.

Sie können auch in einem Testament bestimmen, wer diese Zugangsdaten und damit die Zugriffsrechte auf Ihre Internetaktivitäten erbt. Oder Sie können einen Dritten beauftragen, Ihre Daten nach Ihrem Tode zu verwalten. Aufgrund der bestehenden Missbrauchsgefahr können Sie aber auch darüber nachdenken, ob Sie einen Rechtsanwalt oder Notar damit beauftragen wollen. Diese sind zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Wollen Sie den Umgang mit Ihren Daten und die Zugriffsrechte für den Fall Ihres Todes verbindlich regeln, müssen Sie die allgemeinen Voraussetzungen eines Testaments beachten. Dieses sollte entweder eigenhändig handschriftlich verfasst oder notariell beurkundet sein. Eine andere Alternative wäre eine Vollmacht über den Tod hinaus.

Es bleibt die Frage, wie die Erben mit dem digitalen Nachlass verfahren können. Die jeweiligen E-Mail-Provider haben meist in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen unterschiedliche Regelungen, wie mit den Daten verfahren werden kann. Teilweise wird für den Zugriff die Vorlage eines Erbscheins verlangt. Manche Anbieter löschen bei Todesbenachrichtigung den Account komplett und erlauben auch den Erben keinen Einblick.

In sozialen Netzwerken werden zum Teil Varianten angeboten, den Status des Verstorbenen in einen "Gedenkstatus" zu versetzen oder auch nach Übersendung der Sterbeurkunde und einer Ausweiskopie die Löschung zu veranlassen.

Bei manchen Anbietern haben Sie schon zu Lebzeiten die Möglichkeit, eine bestimmte Funktion zu aktivieren. Diese sorgt dafür, dass der Account nach einer bestimmten Zeit ohne Nutzung automatisch gelöscht wird. In diesem Fall sollten Sie aber aufpassen. Suchen Sie sich eine Vertrauensperson, die zum Beispiel bei einer längeren Reise oder einem Krankenhausaufenthalt Ihren Account aktiv halten kann.

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Tags: Erben

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