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Klinik von außen

Unfall: Wer trägt die Kosten einer geplatzten Reise?

8.12.2016

Rechtsfrage des Tages:

Gestern hatte ich einen unverschuldeten Autounfall. Leider muss ich operiert werden und mindestens eine Woche im Krankenhaus bleiben. Eigentlich wollten meine Frau und ich morgen in den Urlaub fliegen. Die Reise haben wir jetzt storniert. Kriegen wir die Stornierungskosten ersetzt?

Antwort:

Wurden Sie bei einem Unfall verletzt, haben Sie gegenüber dem Unfallverursacher Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz. Es gilt der Grundsatz der Naturalrestitution. Als Geschädigter müssen Sie so gestellt werden, wie Sie ohne das schädigende Ereignis stehen würden. Bei Verletzungen ist das natürlich nicht möglich, daher sieht das Gesetz einen Anspruch auf Schmerzensgeld vor. Sogenannte materielle Schäden werden in Geld entschädigt. Üblicherweise werden Sie sich an die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers wenden, die im Rahmen der Regulierung Zahlungen an Sie leisten wird.

Zu den typischen Schadensersatzpositionen nach Verkehrsunfällen gehören die Kosten der Reparatur des Wagens, gegebenenfalls Sachverständigenkosten und weitere Nebenforderungen rund um das Fahrzeug. Im Hinblick auf Ihre Verletzungen können Sie neben Schmerzensgeld Ansprüche auf Ersatz von beispielsweise Zuzahlungen zu Medikamenten geltend machen. Für die entgangenen Urlaubsfreuden als solche, können Sie leider keinen Schadensersatz beanspruchen. Dieser Aspekt kann eventuell bei der Bemessung des Schmerzensgeldes eine Rolle spielen und einen gewissen Aufschlag rechtfertigen.

Etwas anders liegt der Fall bei tatsächlich entstandenen Kosten. Wenn Sie derart spät eine Reise stornieren, werden Sie in der Regel nicht gerade geringe Stornogebühren zahlen müssen. Ist der Grund für die Absage der Urlaubsreise kausal auf den Unfall zurückzuführen, können Sie diese Kosten tatsächlich bei der eintrittspflichtigen Kfz-Haftpflichtversicherung geltend machen.

Allerdings werden Sie nur die Gebühren erstattet bekommen, die auf Ihren Anteil der Reise entfallen. Sicherlich möchte Ihre Frau nicht ohne Sie in den Urlaub fahren. Dennoch hat sie keinen eigenen Anspruch gegenüber der Versicherung. Sie ist nur mittelbar Geschädigte und einen solchen Drittschaden sieht das derzeit geltende Recht nicht vor. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie nur einen Teil der Stornokosten erstattet bekommen.

Haben Sie eine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen? Dann können Sie auch versuchen, Ihre Ansprüche hinsichtlich der stornierten Reise dort geltend zu machen. Haben Sie die Reise für sich und Ihre Frau zusammen gebucht und sind Sie beide über eine Versicherungspolice abgesichert, kann in der Regel auch Ihre eigentlich reisefitte Frau Ersatz der Stornokosten verlangen. Natürlich kommt es immer auf die jeweiligen Bedingungen der Versicherung an. Denken Sie dabei aber noch an eins: Hat Ihre Reiserücktrittsversicherung die Stornierungskosten an Sie erstattet, können Sie diese nicht zusätzlich von der Kfz-Haftpflichtversicherung verlangen. Bereichern dürfen Sie sich nämlich am Verkehrsunfall auch nicht.

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