Oben
  • Drucken
  • schlecht ausreichend durchschnitt gut besonders gut
    Bewertungen
Polizeikelle

Nötigung: Von Lichthupen und Dränglern

20.04.2017

Rechtsfrage des Tages:

Gestern fuhr ich auf der Autobahn. Von hinten kam ein schneller Wagen und drängelte mich mit Lichthupe auf die mittlere Spur. Kann ich den Fahrer wegen Nötigung anzeigen?

Antwort:

Für Autobahnfahrten brauchen Sie oft starke Nerven. Langsame Autos blockieren die Überholspur, Raser drängeln und Lkw-Kolonnen versperren den rechten Fahrstreifen. Einige Fahrweisen können tatsächlich zu einer Anzeige wegen Nötigung führen. Insbesondere dichtes Auffahren und Drängeln ist nicht nur gefährlich. Der Drängler kann auch Ärger mit der Polizei bekommen.

Die Lichthupe allein löst hingegen nicht automatisch eine Strafbarkeit aus. Im Gegenteil. Die Straßenverkehrsordnung (StVO) gestattet nämlich ausdrücklich, dass Sie geplante Überholmanöver mit Schall- oder Leuchtzeiten anzeigen dürfen (§5 Absatz 5 StVO). Solange Sie also mit kurzen, stoßweisen Signalen auf sich aufmerksam machen, ist dies erlaubt. Aber Achtung! Der Gebrauch der Lichthupe zwecks Überholen ist nur außerhalb geschlossener Ortschaften erlaubt.

Kommt zur Lichthupe allerdings dichtes Auffahren hinzu, sieht der Fall anders aus. Versucht ein anderer Autofahrer Sie durch Drängeln von der Spur zu scheuchen, kommt eine zumindest versuchte Nötigung in Betracht. Dabei kommt es aber auch immer auf den Einzelfall an. Die Gerichte setzen für eine Strafbarkeit eine gewisse Dauer und Schwere der Handlung voraus.

Fühlen Sie sich durch einen anderen Verkehrsteilnehmer genötigt, sollten Sie auf keinen Fall zur Selbstjustiz greifen. Kommen Sie nicht auf die Idee, den Drängler auszubremsen. Dies ist extrem gefährlich. Außerdem können Sie dadurch selbst wegen Nötigung in den Fokus der Staatsanwaltschaft kommen.

Übrigens: Nicht nur die flotten Flitzer sollten auf ihr Fahrverhalten achten. Auch bewusst langsames Fahren auf der linken Spur kann als Nötigung gewertet werden. Hinzukommen müssen aber besonders verwerfliche Beweggründe. Selbst eine vorsätzliche Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer reicht dafür in aller Regel nicht aus. Dies kann aber zumindest eine Ordnungswidrigkeit darstellen.

Permalink

Ähnliche Beiträge:

Militärkolonne

Kolonnen auf der Straße

24.08.2017

Rechtsfrage des Tages

Nicht nur auf der Autobahn begegnen Sie hin und wieder geschlossenen Verbänden. Wie Sie sich richtig verhalten, wenn Sie auf eine Kolonne der Bundeswehr, des Technischen Hilfswerks oder der Polizei treffen, erfahren Sie hier.

Radarkontrolle

Augenblicksversagen bewahrt vor Fahrverbot

15.08.2017

Aktuelle Urteile

Wer eine Geschwindigkeitsbegrenzung in Folge einer kurzen Unaufmerksamkeit übersieht, muss zwar ein Bußgeld bezahlen. Um das damit oft verbundene Fahrverbot kommt er jedoch unter Umständen herum. Insbesondere, wenn das Verkehrsschild möglicherweise durch ein anderes Fahrzeug verdeckt war. Dies ergibt sich aus einem Urteil des Amtsgerichts Potsdam.

Rote Ampel

Rote Ampel überfahren - Kein Fahrverbot im Härtefall

16.05.2017

Aktuelle Urteile

Bei Missachtung einer roten Ampel zählen keine Ausreden. Übliche Konsequenz ist ein vorübergehendes Fahrverbot. Aber: In bestimmten Härtefällen, etwa wenn dringende Arztbesuche ohne Führerschein nachweislich nicht möglich sind, ist eine Ausnahme denkbar. Dies entschied das Oberlandesgericht Bamberg.

D.A.S. Leistungsservice

D.A.S. Leistungsservice

Immer eine gute Idee, wenn Sie in Sachen Recht nicht weiterwissen: Rufen Sie an! Der D.A.S. Leistungsservice steht Ihnen als Rechtsschutz-Kunden gern unter der gebührenfreien Direktwahl 0800 3273271 zur Verfügung!

Kontakt

0800 3746-555
gebührenfrei