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Fundsache Geldbeutel

Wenn das Geld auf der Straße liegt

2.06.2017

Rechtsfrage des Tages:

Auf dem Weg ins Büro habe ich heute einen Geldschein gefunden. Meine Kollegin meinte, ich müsste ihn im Fundbüro abgeben. Aber wer fragt denn im Fundbüro nach verlorenem Geld? Ich dachte, ich dürfte das Geld einfach behalten.

Antwort:

Wenn das Geld buchstäblich auf der Straße liegt, ist es des einen Freud, des anderen Leid. Ob Sie das Geld aber einfach behalten dürfen, hängt von der Höhe des Nennbetrages ab. Blitzt Ihnen aus dem Straßenstaub eine Euromünze entgegen, dürfen Sie sich diese getrost in die Tasche strecken. Bei einem Fünfzig-Euro-Schein sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Geregelt ist der Fund von Sachen im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB).

Zunächst einmal kommt es darauf an, ob die Sache besitzlos oder herrenlos ist. Gibt der frühere Eigentümer das Eigentum bewusst auf, wird die Sache herrenlos. Wirft beispielsweise ein Spaziergänger einen alten Regenschirm in einen Abfalleimer, können Sie diesen an sich nehmen. Sie werden durch Aneignung Besitzer der Sache. Fällt aber einem Fußgänger sein Portemonnaie unbemerkt aus der Hosentasche, so ist dieses nicht herrenlos. Der Eigentümer behält sein Eigentumsrecht an der Geldbörse und dem Inhalt. Finden Sie eine solche besitzlose Sache, werden Sie dadurch nicht Eigentümer.

Nach § 965 BGB sind Sie vielmehr verpflichtet, dem Eigentümer den Fund anzuzeigen. Ist dieser Ihnen nicht bekannt, müssen Sie die Fundsache bei der Polizei oder dem Fundbüro anzeigen. Die Anzeigepflicht gilt unabhängig davon, ob Sie ein Portemonnaie, einen Ring oder Bargeld finden. Die Anzeigepflicht besteht hingegen nicht, wenn die Sache einen Wert von unter zehn Euro hat. Liegt der Wert höher, müssen Sie Ihr Fundstück bei der zuständigen Behörde abliefern.

Natürlich ist es bei einzelnen Geldscheinen eher ungewiss, ob sich der Eigentümer beim Fundbüro meldet. Tut er dies nicht, können Sie sich mit Ablauf von sechs Monaten über einen kleinen Geldsegen freuen. Die Fundsache geht in Ihren Besitz über. Zeigen Sie hingegen den Fund oberhalb der Bagatellgrenze nicht an, machen Sie sich wegen Fundunterschlagung strafbar.

Übrigens steht Ihnen ein Finderlohn zu. Hat die Fundsache einen Wert bis zu 500 Euro beträgt dieser 5 Prozent. Liegt der Wert höher, stehen Ihnen davon 3 Prozent zu. Finden Sie also einen Fünfzig-Euro-Schein und geben ihn dem glücklichen Eigentümer zurück, können Sie von ihm zwei Euro fünfzig als Finderlohn verlangen.

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