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Fußgänger und Radfaher

Unfallflucht als Fußgänger

5.07.2017

Rechtsfrage des Tages:

Vorhin bin ich auf dem Gehweg gestolpert und gegen ein parkendes Auto gefallen. Dabei habe ich einen kleinen Kratzer im Lack verursacht. Weil ich mich aber erst um meine Einkäufe kümmern wollte, bin ich nach Hause gegangen. Jetzt steht das Auto nicht mehr da. Habe ich mich strafbar gemacht, weil ich weggegangen bin?

Antwort:

Leider geschieht es im Straßenverkehr immer wieder. Ein Autofahrer beschädigt ein anderes Fahrzeug und setzt seinen Weg einfach fort. Der Geschädigte bleibt dann schlimmstenfalls auf seinem Schaden sitzen. Aber auch dem flüchtenden Autofahrer können nicht unerhebliche Konsequenzen drohen. Ihm steht ein Strafverfahren wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort ins Haus.

Strafbar machen Sie sich, wenn Sie als Beteiligter eines Unfalls den Unfallort verlassen, ohne anderen Beteiligten die Feststellung Ihrer Personalien, Ihres Fahrzeuges und der Art Ihrer Beteiligung zu ermöglichen. Ist der andere Beteiligte nicht anwesend, müssen Sie eine angemessene Zeit warten. Dann sollten Sie die Polizei benachrichtigen. Fahren, gehen oder radeln Sie aber einfach weiter, machen Sie sich wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort strafbar. Zumindest, wenn Sie den Unfall bemerkt haben.

Bei einem Unfall handelt es sich um ein plötzliches Ereignis im Straßenverkehr, das mit dessen typischen Gefahren zusammenhängt. Dieser Unfall muss sich im öffentlichen Straßenverkehr ereignet haben. Reine Privatgrundstücke zählen nicht zum öffentlichen Verkehr. Aber Achtung! Auch auf einem öffentlich zugänglichen Parkplatz zum Beispiel eines Supermarktes findet öffentlicher Verkehr statt. Durch den Unfall müssen Sie einen nicht nur unerheblichen Sach- oder Personenschaden verursacht haben.

Bereits aus diesen allgemeinen Definitionen können Sie erkennen, dass es auf die Beteiligung eines Fahrzeugs nicht zwingend ankommt. Auch als Fußgänger, Radfahrer oder Inline-Skater können Sie an einem Unfall beteiligt sein. Entfernen Sie sich anschließend unerlaubt, kann Sie die ganze Härte des Gesetzes treffen. Ein Fußgänger wurde beispielsweise zu einer Geldstrafe und drei Monaten Fahrverbot verurteilt, weil er sich nach einer Kollision seines Einkaufswagens mit einem parkenden Auto unerlaubt entfernt hatte (Oberlandesgericht Hamm, Urteil vom 07.11.2011, Aktenzeichen: III-1-RVs 62/11).

Rein praktisch kann eine Strafverfolgung natürlich daran scheitern, dass Sie nicht ausfindig gemacht werden können. Erkennt ein Zeuge Sie aber, könnte schon bald die Polizei an Ihrer Tür klingen. Auch aus Gründen der Fairness sollten Sie den Eigentümer des beschädigten Fahrzeugs ausfindig machen. Haben Sie eine allgemeine Haftpflichtversicherung, kann diese unter Umständen sogar die Kosten der Reparatur übernehmen.

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Tags: Unfall

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