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Schwanger

Was bedeutet "vertrauliche Geburt"?

27.07.2017

Rechtsfrage des Tages:

Im Radio habe ich von einer Statistik über vertrauliche Geburten gehört. Was genau muss ich mir unter einer "vertraulichen Geburt" vorstellen?

Antwort:

Nicht für jede Frau ist eine Schwangerschaft ein Grund zur Freude. Familiäre Gründe, finanzielle Not oder Gewalterfahrungen können schwangere Frauen in große Sorgen stürzen. Manch eine sieht sich sogar gezwungen, ihre Schwangerschaft so gut es geht zu verheimlichen. Um diese werdenden Mütter zu unterstützen, hat der Gesetzgeber im Jahre 2014 das Gesetz zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt geschaffen.

Schwangere können sich vor und nach der Geburt anonym an eine Schwangerschaftsberatungsstelle wenden. Diese informiert sie auch über die Möglichkeiten einer vertraulichen Geburt. Ihr wird eine Beraterin zur Seite gestellt, die sie vor und nach der Entbindung betreut. Diese unterliegt der Schweigepflicht. Entscheidet sich die Schwangere für diesen Schritt wählt sie zunächst einen Vor- und Zunamen als Pseudonym und je einen oder mehrere männliche und weibliche Vornamen für das Kind. Die Beratungsstelle ist verpflichtet, einen Herkunftsnachweis zu erstellen.

Die Frau hinterlässt dafür ihre persönlichen Daten mit Vor- und Nachname, Anschrift und ihr Geburtsdatum. Dieser Nachweis wird in einem Umschlag verschlossen, der nicht unbemerkt geöffnet werden kann. Der Umschlag wird beschriftet mit dem Vermerk, dass es sich um einen Herkunftsnachweis handelt. Außerdem wird das Pseudonym der Frau angegeben sowie Geburtsort und -datum des Kindes. Außerdem vermerkt die Beratungsstelle Namen und Anschrift des Krankenhauses oder der Hebamme, die das Kind zur Welt gebracht hat. Zum Schluss findet sich auf dem Umschlag die Anschrift der Beratungsstelle.

Die Frau wird von der Beratungsstelle für eine vertrauliche Geburt beispielweise in einem Krankenhaus nach ihrer Wahl angemeldet. Das zuständige Jugendamt wird ebenfalls informiert. Die zur Geburtsanzeige verpflichteten Einrichtungen der Geburtshilfe werden bei einer vertraulichen Geburt von ihrer Auskunfts- und Nachweispflicht entbunden. Die Kosten der Entbindung werden ebenso vom Bund getragen wie die der Vor- und Nachsorge.

Das Kind wird nach der Geburt in einer Pflegefamilie betreut oder kann zur Adoption freigeben werden. Solange die Mutter anonym bleibt, ruht ihr Sorgerecht. Möchte sie ihr Kind doch zurückhaben, muss sie die Anonymität aufgeben. Steht die Mutterschaft zweifelsfrei fest, prüft das Familiengericht noch, ob das Kindeswohl beeinträchtig wäre. Bleibt das Kind bei Pflegeeltern oder einer Adoptionsfamilie kann es ab dem 16. Lebensjahr den Herkunftsnachweis seiner Mutter einsehen. In Einzelfällen kann die Mutter aber auch gerichtlich beantragen, dass die Anonymität weiter bestehen bleiben soll.

Die vertrauliche Geburt soll Schwangeren in Not eine Möglichkeit geben, das Kind in einer sicheren medizinischen Umgebung zur Welt bringen zu können. Dabei kann sie ihre Anonymität wahren. Frauen können damit Hilfe aus einer für sie ausweglos erscheinenden Situation finden. Gleichzeitig wird das ungeborene Kind geschützt und kann sicher zur Welt kommen.

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Tags: Eltern

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