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Apfelbaum

Obst: Wem gehört der Überhang?

8.08.2017

Rechtsfrage des Nachbarn:

Einige Zweige des Apfelbaums unseres Nachbarn ragen auf unser Grundstück. Leider erntet unser Nachbar die schönen Äpfel nie. Darf ich wenigstens die Äpfel ernten, die sozusagen auf unserem Grundstück wachsen? Und muss unser Nachbar das Fallobst aus unserem Garten entfernen?

Antwort:

Die Natur hält sich nicht an die von Menschen aufgestellten Zäune und Grundstücksgrenzen. Und so führen überhängende Äste und wuchernde Büsche nicht selten zu unerfreulichen Streitigkeiten zwischen Nachbarn. Fallobst zieht Bienen und Wespen an und fault auf dem Rasen. Oder der Eigentümer eines Baumes ärgert sich über die Selbstbedienung des Nachbarn am Obst überm Gartenzaun.

Hängen Äste und Zweige in den Nachbargarten, können reife Früchte zum Ernten verlocken. Die Rechtslage ist aber recht klar. Auch wenn die Äpfel im Luftraum über Ihrem Grundstück wachsen, so gehören Sie doch Ihrem Nachbarn. Sie wachsen auf dem Baum, der auf seinem Grundstück steht. Ihr Nachbar verliert auch nicht das Eigentum dadurch, dass der Baum einzelne Zweige mit saftigen Äpfeln auf Ihr Grundstück streckt.

Daher dürfen Sie sich ohne Erlaubnis Ihres Nachbarn nicht an dessen Obst vergreifen. Vielmehr ist Ihr Nachbar berechtigt, mit einem Apfelpflücker die Äpfel vom Ast über Ihrem Grundstück zu ernten. Muss er für die Ernte Ihr Grundstück betreten, muss er Sie aber vorher um Erlaubnis fragen.

So ist die Rechtslage, solange das Obst am Baum hängt. Etwas anderes gilt, wenn sich die Äpfel lösen und auf Ihr Grundstück fallen. Sie gehen dann nämlich in Ihr Eigentum über (§ 911 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)). Möchten Sie die Äpfel aufsammeln und verwerten, dürfen Sie sich nach Herzenslust bedienen. Allerdings sollten Sie nicht dem noch am Baum hängenden Obst nachhelfen. Werden die Äpfel erst durch kräftiges Schütteln zum Fallobst, gehen Sie nicht in Ihr Eigentum über. Im Extremfall müssen Sie sogar Schadensersatz leisten.

Eine Pflicht zur Duldung des Fallobstes ergibt sich umgekehrt aber auch nicht aus dieser Vorschrift. Beeinträchtigt nämlich Fallobst Ihr Grundstück erheblich, können Sie von Ihrem Nachbarn verlangen, dass er dieses entsorgt. Fallen nur vereinzelt Äpfel in Ihren Garten, werden Sie sich selbst danach bücken müssen. Wirft der Baum hingegen derart viele Äpfel ab, dass Sie im Garten mit einer Wespenplage kämpfen müssen, können Sie ihn zur Entsorgung auffordern. Es kommt immer darauf an, wie stark der Obstfall Ihr Grundstück tatsächlich beeinträchtigt.

Schlussendlich sollten Sie aber bei aller Juristerei wie immer den nachbarschaftlichen Frieden im Fokus haben. Sprechen Sie Ihren Nachbarn an. Sind ihm die Äpfel ohnehin lästig, können Sie vielleicht mit seiner Zustimmung den gesamten Baum abernten. Oder er gestattet Ihnen, zumindest die überhängenden Äpfel zu pflücken. So gibt es dann auch keinen Streit über das Fallobst.

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Tags: Nachbarrecht

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