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Istanbul

Türkeiurlaub: Kann ich stornieren?

16.08.2016

Rechtsfrage des Tages:

Vor einiger Zeit haben wir eine Reise in die Türkei gebucht. Jetzt habe ich aufgrund der politischen Lage ein mulmiges Gefühl, die Reise anzutreten. Kann ich die Reise noch kostenlos stornieren?

Antwort:

Urlaubsreisen werden nicht selten schon bis zu einem Jahr im Voraus gebucht. Leider können in der Zeit bis zur ersehnten Erholung Umstände eintreten, die die Vorfreude auf den Urlaub deutlich schmälern. Derzeit ist die Lage in der Türkei durchaus unruhig. Die Regierung hat am 20. Juli 2016 den Notstand ausgerufen. Dieser gilt zunächst für drei Monate. Aufgrund dieses Ausnahmezustands können unter anderem kurzfristig Ausgangssperren verhängt, Durchsuchungen und allgemeine Personenkontrollen durchgeführt werden. Der Notstand gilt für alle 81 Provinzen der Türkei.  Auch wenn die Lage in den beliebten Küstenregionen derzeit noch als ruhiger gilt, bleibt bei vielen Urlaubern ein ungutes Gefühl. Ob diese Gründe jedoch eine kostenlose Stornierung rechtfertigen, muss näher beleuchtet werden.

Grundsätzlich können Sie jederzeit vom Reisevertrag vor Reisebeginn zurücktreten (Paragraf 651 i Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)). In den Bedingungen Ihres Reiseveranstalters werden Sie jedoch Regelungen zu Stornokosten finden. Die Kosten werden in aller Regel immer höher, je näher der Abreisetermin rückt. Nach Paragraf 651 j BGB können Sie allerdings auch den Reisevertrag kündigen, wenn die Reise aufgrund höherer Gewalt erheblich erschwert, gefährdet oder beeinträchtigt wird. Dabei muss es sich um ein Ereignis handeln, auf das der Reisende keinen Einfluss hat.

Wann genau diese Umstände eine Kündigung rechtfertigen, kommt auf den Einzelfall an. Die Gerichte nehmen meist einen Fall von höherer Gewalt an, wenn das Auswärtige Amt eine Reisewarnung ausgegeben hat. Zumindest, wenn diese Warnung bei Reisebuchung noch nicht bestand. Für die Türkei gibt es momentan keine Reisewarnung. Das Auswärtige Amt erteilt nur Sicherheitshinweise zu Türkeireisen. In Sicherheitshinweisen macht das Auswärtige Amt auf besondere Risiken aufmerksam und empfiehlt, auf die Reise zu verzichten oder diese einzuschränken. Es handelt sich aber noch nicht um eine Reisewarnung.

Stornieren Sie jetzt kurzfristig Ihre Reise, müssen Sie vermutlich Stornogebühren zahlen. Diese können Sie zwar auch ohne Reisewarnung gerichtlich überprüfen lassen. Die Hürde liegt dafür aber ziemlich hoch. Sie müssten in einem Verfahren detailliert vortragen, warum Ihre Reise beispielsweise in eine Küstenregion erhebliche Gefahren bergen würde. Natürlich kann sich die Lage ändern, sollte das Auswärtige Amt doch noch eine Reisewarnung aussprechen. Dann reagieren viele Reiseveranstalter von sich aus und bieten Möglichkeiten zum Umbuchen oder Stornieren an. Sinnvoll kann es trotz allem sein, sich bei Ihrem Reiseveranstalter nach Möglichkeiten zur Änderung Ihrer Reiseplanung zu erkundigen. Auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes können Sie sich zudem über die aktuelle Lage und die Sicherheitshinweise informieren.

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