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Bezahlen an der Kasse

Falsches Wechselgeld: Wer haftet?

21.09.2016

Rechtsfrage des Tages:

Schon öfter habe ich erlebt, dass mir zu viel oder zu wenig Wechselgeld an der Kasse herausgegeben wurde. Muss die Kassiererin den Fehlbestand ausgleichen, wenn Sie zu viel herausgegeben hat?

Antwort:

Das dürfte jedem schon einmal passiert sein. Sie bezahlen und bekommen zu viel Wechselgeld heraus. Oder der freundliche Kellner vergisst, den zweiten Kaffee zu berechnen. Bemerken Sie den Irrtum, ist es nur fair darauf hinzuweisen. Natürlich können Sie auch selbst den Irrtum mal nicht bemerken. Und zu Hause wundern Sie sich, dass Sie nach dem Einkauf mehr Geld im Portemonnaie haben als vorher. Aber wer haftet für den Fehlbestand in der Kasse?

Kassiererinnen sind arbeitsvertraglich verpflichtet, für den richtigen Kassenbestand zu sorgen. Stimmt die Kasse nach dem abendlichen Abschluss nicht, liegt eigentlich eine Pflichtverletzung vor. Das Bundesarbeitsgericht hat aber klargestellt, dass eine uneingeschränkte Haftung des Arbeitnehmers unangemessen wäre. Entsprechend staffelt es die Haftung nach dem Grad der Vorwerfbarkeit. Bei leichtester Fahrlässigkeit haftet der Arbeitnehmer demnach nicht. Bei mittlerer Fahrlässigkeit greift eine anteilige Haftung. Nur bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz kommt eine vollständige Haftung in Betracht.

Aus diesem Grund findet sich in vielen Arbeitsverträgen die sogenannte Mankoabrede. Hierbei handelt es sich um eine Art Garantiehaftung des Arbeitnehmers. Dieser erklärt mit der Abrede, dass er unabhängig vom Verschulden für Fehlbeträge oder Fehlmengen einzustehen hat. Das klingt zunächst natürlich sehr hart. Derartige Vereinbarungen sind aber nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässig. Möglich ist eine solche Abrede, wenn der Mitarbeiter alleine Zugriff auf die Kasse oder den Warenbestand hat. Außerdem ist eine eindeutige Formulierung wichtig. Weiter muss auch bei der Mankoabrede das vereinbarte oder tariflich geschuldete Entgelt gezahlt werden.

Mit der wichtigste Punkt ist, dass der Arbeitnehmer Anspruch auf ein zusätzliches Mankoentgelt haben muss. Er haftet für einen Fehlbestand dann nur in der Höhe, die dem Mankogeld entspricht. Zum einen wird der Arbeitnehmer dadurch vor unangemessenen Forderungen geschützt. Zum anderen bietet diese Vereinbarung dem Arbeitnehmer die Chance, bei glatter Kasse das Mankogeld behalten zu dürfen. Der Arbeitgeber profitiert in diesem Fall von einem besonders motivierten Mitarbeiter, der sicherlich sehr sorgfältig auf seinen Kassenbestand achten wird.

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Tags: Geld Lohn

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