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Persönlichkeitsrecht

Persönlichkeitsrecht Schüler

13.10.2016

... was beliebt, ist auch erlaubt
Das Grundgesetz garantiert in Art. 2 Absatz 1 und 2 jedem Bürger das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit. Ein Recht, das selbstverständlich auch für Schüler gilt.

Kleider machen Leute

Ob Mini-Rock oder Baggy-Pants: Gegen trendige Klamotten ist grundsätzlich nichts einzuwenden.

Eingeschränkt ist dein Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit allerdings, wenn du

  • die Rechte anderer verletzt und / oder
  • gegen die guten Sitten verstößt oder
  • die Erfüllung des Erziehungs- und Bildungsauftrages oder die schulische Ordnung störst (denn freizügige Bekleidung kann die Konzentration deiner Mitschüler beinträchtigen).

Kurze Röcke, knappe Hosen, bauch- und rückenfreie Oberteile, zumindest im Sommer, sind sie modern und hübsch anzusehen; im Hochglanzkatalog, nicht aber in der Schule.

Nach Ansicht einiger Schulleitungen sind die Lehranstalten keine Showbühne für Bikinioberteile, durchsichtige T-Shirts und Ultraminiröcke, weil dies die Lernsituation beeinträchtige. Demnächst sollen "Modesünder" sogar zum Umziehen nach Hause geschickt werden.

Befürworter von Schuluniformen argumentieren, dass sich damit nicht nur aufreizender Kleidungsstil vermeiden lasse, sondern gleichzeitig eine Verbesserung der Schul- und Lernsituation hinsichtlich Markenwahn, Sozialneid und Jugendkriminalität erreicht werde.

Beispiel

Lea und ihre Freundinnen bevorzugen im Sommer luftige Bekleidung in Form von hinreißend-unanständig kurzen Röcken und bauchfreien Tops. Ihr Klassenlehrer fürchtet um die Konzentration der Mitschüler und fordert die Schülerinnen auf, sich unauffälliger zu kleiden.

In einigen Schulen wurde das Tragen bauchfreier Tops inzwischen verboten. Gerichtlich wurde aber über die Zulässigkeit dieser Anweisung noch nicht entschieden.

Grundsätzlich gilt aber: Ein Verbot muss in jedem Fall verhältnismäßig sein, also in einem angemessenen Verhältnis zur verursachten Störung stehen.
Einige Rechtstheoretiker vertreten sogar die Auffassung, dass nicht nur durch Verbote, sondern auch mit sofortiger Wegnahme der anstößigen Bekleidung zu reagieren ist. Ob das aber weiterhilft ...?

Kopftuch, Schleier und Co.

Artikel 4 Abs.1 und 2 des Grundgesetzes garantieren dir die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sowie die ungestörte Religionsausübung.

Als muslimische Schülerin darfst du daher in der Schule Kopftuch oder Schleier tragen, sofern dies zu deiner Religionsausübung gehört.

Die religiöse Ausübung darf jedoch die Bildungsvermittlung nicht beeinträchtigen.

Beispiel

Die muslimische Schülerin Aminah ist praktizierende Muslimin und Kopftuchträgerin. Aus religiösen Überlieferungen weigert sie sich, Fragen männlicher Lehrkräfte zu beantworten.

Wenn also - wie im obigen Beispiel - keine pädagogische Interaktion mehr mit der Schülerin möglich ist, kann die Glaubensfreiheit eingeschränkt oder sogar verboten werden, um den staatlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag zu sichern.

Verboten sind solche Zeichen der Religionsausübung auch dann, wenn die Schülerin versucht, andere Mädchen, insbesondere Musliminnen, zu indoktrinieren und deren Religionsfreiheit gefährdet scheint.

Tipp

Ein Verschleierungsverbot kann nur erteilt werden, wenn die Schule den Bildungs- und Erziehungsauftrag nicht mehr ungehindert ausüben kann und keine weiteren Mittel zur Verfügung stehen, um die Störung zu beseitigen.

Nicht ausreichend für ein Schleier- oder Kopftuchverbot wäre die

  • Außenseiterrolle der verschleierten Schülerin
  • Aggressivität von Mitschülern gegen eine kopftuch- oder schleiertragende muslimische Schülerin (allerdings sind hier Maßnahmen zum Schutz der Schülerin seitens der Schule zu ergreifen, nötigenfalls muss die Schülerin in die Parallelklasse versetzt werden).

Tipp

Schüler müssen sich in der Schule, ohne Benachteiligung zu befürchten, zu ihrer Religion bekennen dürfen. Diesen Grundsatz der Toleranz hat die Schule bei der Erfüllung des Bildungs- und Erziehungsauftrages einzuhalten.

Wenn das Handy dreimal klingelt

Das Handy ist dein bester Freund! Es weckt dich, spielt mit dir, managt deine Verabredungen. Im Unterricht indessen provoziert es immer wieder Konflikte.

Kinder und Jugendliche müssen lernen, mobile Kommunikation und soziales Verhalten zu kombinieren. Denn auch die Mitnahme von Mobiltelefonen in die Schule wird vom Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung abgedeckt.
Wer sich weigert das Handy während des Unterrichts auszuschalten, riskiert die Beschlagnahme.

Was für Mobiltelefone gilt, trifft auch beispielsweise für diese elektronischen Ablenker zu: Discman, Gameboy, Digicam, Ghettoblaster.

Beispiel

Jan hat zum Geburtstag einen Discman bekommen. Er mag sich auch in der Schule nicht von seinem Geschenk trennen und benutzt ihn heimlich im Unterricht. Sein Lehrer beschlagnahmt das Gerät für den Unterrichtstag.

Generell sind alle Gegenstände in der Schule verboten, die den Unterricht oder die Ordnung der Schule stören könnten. Darunter fallen die oben genannten Gegenstände genauso wie Waffen, Spraydosen oder ähnliches.

Tipp

Lehrer sind befugt, dir Gegenstände aller Art für die Dauer der Unterrichtszeit wegzunehmen bzw. so lange aufzubewahren, bis keine Störung mehr zu befürchten ist. Natürlich bleibt der beschlagnahmte Gegenstand dein Eigentum und ist dir wieder auszuhändigen!

Tipp

Eine Rückgabe beschlagnahmter Waffen erfolgt allerdings -je nach Härtegrad - entweder an die Eltern des bewaffneten Schülers oder direkt an die Polizei.

Nur Schornsteine müssen immer rauchen

Um es vorweg zu nehmen: In der Schule ist Rauchen verboten.

Aber, es gibt Ausnahmen: Die Schulleitung kann Schülern ab einem bestimmten Alter (meist 16 Jahre) ein spezielles Raucherzimmer für die Pausen zur Verfügung stellen. Für Volljährige Schüler gibt es auf den meisten Schulhöfen spezielle Raucherzonen und - Ecken.

Tipp

Es stellt also keine Verletzung der Grundrechte dar, wenn es nur in einem dafür vorgesehenen Raum erlaubt ist zu rauchen, da auf diese Art und Weise die Rechte anderer nicht verletzt werden!

Ausnahmslos verboten ist der Genuss von Alkohol und Drogen jeglicher Art in der Schule. Allein schon das Mitbringen kann mit Ordnungsmaßnahmen geahndet werden.

Sport ist Mord - mit Piercing

Das entsprechende Schulgesetz oder die Schulordnung verpflichtet dich zur regelmäßigen Teilnahme am Sportunterricht. Befreit wirst du, wenn dein Gesundheitszustand sportliche Aktivitäten ausschließt. Dazu gehören allerdings nicht mögliche Verletzungsgefahren durch Piercings.

Auch wenn ein so geschmückter Bauchnabel, ein Nasenring oder ein quer durch dein Gesicht von Auge zu Auge gespanntes Kettchen derzeit mitten im Trend liegen: Bei allen Sportarten besteht eine sehr hohe Verletzungsgefahr. Nicht selten kommt es zu Verletzungen wie abgerissene Ohrläppchen, aufgerissene Naseninnenwände oder Verletzungen im Rachenraum durch Zungenpiercings.

Tipp

Deshalb grundsätzlich Piercings beim Sport entfernen oder zumindest überkleben! Dies stellt keine Schikane deines Sportlehrers dar, sondern verhindert vor allen Dingen, dass du dich bei sportlichen Aktivitäten verletzt!

Übrigens:
In Österreich hat das Unterrichtsministerium ein Verbot für Piercings im Sportunterricht erlassen!

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