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Pflichtteil

Pflichtteil

Hier finden Sie häufige Fragen und Antworten zum Thema "Pflichtteil".

Was ist der "Pflichtteil"?

Ein Pflichtteil ist ein bestimmter Anteil des Nachlasses, der nahen Angehörigen zusteht, wenn sie durch ein Testament oder andere letztwillige Verfügungen vom Erbe ausgeschlossen sind. Der Gesetzgeber hat diese Personen für schutzbedürftig erachtet und durch entsprechende Regelungen zu verhindern versucht, dass sie leer ausgehen. Der Pflichtteilsberechtigte kann von den Erben den Pflichtteil als Geldanspruch einfordern.

Wer ist pflichtteilsberechtigt?

Kinder, Ehegatte und Eltern des Erblassers.

Wie hoch ist der Pflichtteil?

Er umfasst die Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils, also die Hälfte des Betrages, den Sie als gesetzlicher Erbe erben würden, wenn Sie nicht enterbt worden wären.

Ich bin einer von zwei Söhnen des Erblassers. Unsere Mutter ist nicht mehr am Leben. Mein Vater hat mir testamentarisch 1/8 seines Vermögens hinterlassen, meinem Bruder den Rest. Habe ich Pflichtteilsansprüche?

Ja. Als Kinder sind Sie beide Erben erster Ordnung und würden ohne Testament je die Hälfte des Nachlasses erhalten, wenn keine anderen Erben vorhanden sind. Ihr Pflichtteil beträgt wiederum die Hälfte davon, also ¼ des Nachlasses. Sie können von Ihrem Bruder die Auszahlung eines weiteren Achtels verlangen, um insgesamt ¼ zu erhalten.

Kann ich als Pflichtteilsberechtigter mit Nachlassverbindlichkeiten belastet werden?

Nein. Sie sind kein Erbe und haben daher nicht für die Schulden des Erblassers einzustehen.

Ich bin einer von zwei Söhnen des Erblassers. Unsere Mutter ist nicht mehr am Leben. Mein Vater hat mir testamentarisch 7/8 seines Vermögens hinterlassen, meinem Bruder den Rest. Es besteht ein Vermächtnis, das uns die Verpflichtung auferlegt, einen hohen Geldbetrag an eine ehemalige Angestellte zu zahlen. Haben wir Pflichtteilsansprüche, wenn wir das Erbe ausschlagen?

Eine Erbausschlagung kommt nur für Sie in Betracht. Wenn der testamentarische Erbanteil die Hälfte des gesetzlichen Erbteils überschreitet (das wäre hier ¼ des Nachlasses), können Sie das Erbe ausschlagen und Ihren Pflichtteil erhalten. Da Ihr Bruder weniger als die Hälfte des gesetzlichen Erbteils erhalten soll, gilt die Belastung durch das Vermächtnis für ihn als nicht angeordnet. Ihr Bruder muss nichts ausschlagen, hat aber auch keine Zahlungsverpflichtungen zu befürchten.

Welche Pflichtteilsansprüche habe ich als Ehefrau des Verstorbenen?

Ein Pflichtteilsanspruch setzt voraus, dass Sie nicht Erbin sind, z.B. wegen Enterbung. In diesem Fall beträgt Ihr Pflichtteil die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Für die Ehefrau ist dies ein Viertel, die Hälfte wäre also ein Achtel. Zusätzlich können Sie einen Zugewinnausgleich in Anspruch nehmen. Die Höhe des Zugewinnausgleichs muss hier nach dem Stand von Anfangs- und Endvermögen des Ehegatten unter Abzug seiner Verbindlichkeiten berechnet werden.

Kann ich als Ehefrau des Erblassers durch Erbausschlagung mehr erhalten, als durch Annahme des Erbes?

In einigen Fällen ja. Beispiel: Ihr Ehemann hinterlässt bei seinem Ableben nach einer Ehe auf Zugewinngemeinschaft Ihnen und Ihren beiden Kindern 1.000.000 Euro. Der konkret berechnete Zugewinn beträgt 500.000 Euro. Bei Erbausschlagung bekommen Sie den konkret berechneten Zugewinn und wegen der Ausschlagung zusätzlich den Pflichtteil. Der beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils, also ein Achtel des Gesamtnachlasses (in unserem Beispiel 125.000 Euro). So erhalten Sie insgesamt 625.000 Euro. Wenn Sie das Erbe annehmen, erhalten Sie insgesamt die Hälfte des Nachlasses, bestehend aus dem einen Viertel des Nachlasses und dem pauschalen Zugewinnausgleich. Ihre Erbschaft: 500.000 Euro.

Was ist ein Pflichtteilsergänzungsanspruch?

Ein vom Gesetzgeber erdachter Weg, um zu verhindern, dass der Erblasser vor seinem Ableben seinen Besitz verschenkt und seine nächsten Angehörigen völlig leer ausgehen. In einem solchen Fall können Sie als Pflichtteilsberechtigter zusätzlich zu Ihrem (geringen oder nicht vorhandenen) Pflichtteil den Betrag verlangen, um den der Pflichtteil sich erhöhen würde, wenn man dem Nachlass die verschenkten Werte wieder hinzuaddiert. Falls der Erblasser besonders schlau sein wollte und sein Grundstück für einen Euro verkauft oder gegen Aufrechnung mit nicht beweisbaren Schulden an jemand anderen abgegeben hat, haben Sie vor Gericht gute Chancen.

Kann der Erblasser auch dafür sorgen, dass ein Pflichtteilsberechtigter keinen Pflichtteil bekommt?

Ja, durch Pflichtteilsentziehung. Diese kann der Erblasser in seiner letztwilligen Verfügung niederlegen, wenn der Pflichtteilsberechtigte ihm, seinem Ehegatten, einem seiner Abkömmlinge oder einer anderen ähnlich nahe stehenden Person z.B. nach dem Leben trachtet, Verbrechen gegen ihn oder diese Personen begangen hat oder wenn er Unterhaltspflichten gegenüber dem Erblasser verletzt.

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