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Digitaler Nachlass

Digitaler Nachlass

16.05.2017

Virtuelles Erbe

Ein naher Angehöriger ist verstorben. In den Erinnerungen seiner Freunde und Familienmitglieder bleibt er lebendig, leider bleiben seine Bilder und Daten auch im Internet erhalten. Fast jeder von uns hinterlässt mittlerweile persönliche Spuren im Internet. Sei es bei sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram oder Twitter, bei Ebay oder Paypal und eine Emailadresse hat der Verstorbene oftmals auch.

Erste Schritte als Hinterbliebener

Was ist nun als Erbe zu unternehmen? Wie können die Anbieter informiert und die Onlinekonten stillgelegt werden?

Generell gilt: Wenn Sie wissen, auf welchen Portalen im Internet der Verstorbene tätig war, ist es ratsam, dort zu versuchen einen Kontakt mittels Email oder Kontaktformular herzustellen. Schildern Sie die Situation und reichen Sie die Sterbeurkunde, eine Ausweiskopie des Verstorbenen und den Erbschein ein. Sollten weitere Unterlagen benötigt werden, wird Sie der Betreiber der Seite darauf hinweisen.

Digitaler Nachlass

Bei Facebook beispielsweise kann der Erbe nach Einreichung der Unterlagen zwischen zwei Optionen wählen: soll die Seite des Verstorbenen gelöscht werden oder "in Gedenken erhalten" werden. Selbst bearbeiten dürfen Sie die Seite nicht. Wenn Sie sich für den Gedenkstatus entscheiden, setzt Facebook einen Hinweis auf die Seite, dass diese in Gedenken an den Verstorbenen erhalten bleibt. Erinnerungen, wie die zum Geburtstag, werden abgeschaltet. Auch dürfen Sie als Erbe nicht auf die Privatnachrichten und Fotos zugreifen. Diese Entscheidung hat nun das Kammergericht Berlin nochmals bestätigt. Im dem Rechtsstreit hatte eine Mutter geklagt, sie wolle auf die Chatnachrichten der verstorbenen Tochter zugreifen, da die Mutter einen Suizid ihrer Tochter für möglich hielt und vermutete, dass ihre Tochter mittels Chatnachrichten über Facebook gemobbt wurde. Die Mutter hatte die Zugangsdaten der Tochter zu ihrem Facebook Konto, allerdings hatte Facebook, nach einem Hinweis eines Users das Konto bereits in den "Gedenkstatus" gesetzt. Das Landgericht gab der Mutter in erster Instanz recht. Es entschied, die Eltern seien Erbe der Verstorbenen geworden und damit auch berechtigt, auf die Nachrichten zuzugreifen. Es mache keinen Unterschied, ob es sich um Briefe oder digitale Nachrichten handle. Genau diesen Punkt sah das Kammergericht in der Berufung nun anders: hier greife das Fernmeldegeheimnis. Dieses schützt nicht nur die Rechte der Verstorbenen sondern auch die der Chatpartner, daher könne der Mutter nicht die Möglichkeit eingeräumt werden, die Nachrichten zu lesen. Die Zukunft wird zeigen, ob es bei dieser Entscheidung bleibt, oder der Bundesgerichtshof das Urteil wieder aufhebt.

 

Zugriff und doch kein Zugriff

In Deutschland besteht eine rechtliche Grauzone zwischen Erbrecht und Fernmeldegeheimnis. Bislang fehlt eine gesetzliche Regelung zum Umgang mit dem digitalen Nachlass. Kein Internetdienst ist also verpflichtet, den Erben nach Vorlage von Erbschein und Sterbeurkunde Zugang zu dem „fremden“ Konto zu gewähren. Einige Anbieter löschen ein Konto daher lieber komplett, als die Zugangsdaten eines verstorbenen Nutzers an Dritte herauszugeben. Auch Online-Unternehmen mit Hauptsitz im Ausland sperren sich oft, denn dort gelten andere Gesetze. Google beispielsweise verweigert Dritten den Zugriff auf E-Mails und Cloud-Dateien eines Verstorbenen. Die Daten gehören damit weiterhin dem Unternehmen, nicht dem Erben.

Tipp

Am besten wäre es, sich zu Lebzeiten Gedanken darüber zu machen, wer den eigenen digitalen Nachlass verwalten soll. Mehr zur Vererbung vom digitalen Nachlass finden Sie hier.

 

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