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Erbschaftssteuer

Besteuerung Auslandserbschaft

27.06.2017

Auslandserbe: Das Finanzamt ist (fast) immer dabei ...

Die Welt wird immer kleiner. Unsere Großeltern hätten sich noch nicht träumen lassen, Ostern jedes Jahr am Meer zu verbringen oder Weihnachten in ihrem Ferienhaus im Ausland zu feiern. 

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen im Ausland Geld zu investieren, sollten Sie – zumindest kurz – über Ihre Erben nachdenken:
Wo muss Ihr Erbe später seine Erbschaftssteuer entrichten? In Deutschland, weil Sie als Erblasser die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen oder Ihren ständigen Aufenthaltsort in Deutschland haben? Oder im Ausland, weil dort die Immobilie oder das Bankkonto liegt?

Die Antwort auf diese Fragen ist leider – wie so oft im Steuerrecht – alles andere als einfach. Lassen Sie sich deshalb unbedingt vor ihrer Auslandsinvestition von einem Fachmann beraten. Nachfolgend ein grober Überblick über die erbschaftssteuerliche Problematik.

Eine Frage des Prinzips: Territorialprinzip oder Weltprinzip

Die Erbschaftssteuer wird entweder nach dem Territorialitätsprinzip oder nach dem Weltprinzip (Universalprinzip) erhoben.

Nach dem Territorialitätsprinzip müssen alle Gegenstände versteuert werden, die sich im Staatsgebiet befinden. Nach dem Weltprinzip erhebt der Staat, in dem der Steuerzahler lebt, die Steuern für sein Vermögen auf der ganzen Welt, also z.B. auch für Auslandsimmobilien.

Die meisten Staaten, die eine Erbschaftsteuer erheben, folgen einer Mischung beider Prinzipien. So auch Deutschland.

Sie besteuern also sämtliches Vermögen in ihrem Gebiet und alle Personen, die sich nicht nur vorübergehend dort aufhalten. Dies führt natürlich zu einer Überlappung. Der Steuerpflichtige – damit Ihr Erbe – sieht sich im Falle einer Erbschaft womöglich Steuerforderungen mehrerer Staaten ausgesetzt.

Doppelbesteuerungsabkommen

Dieses Problem haben die Staaten erkannt. Deutschland hat aus diesem Grund mehrere Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen, um die doppelte Belastung des Steuerpflichtigen zu verhindern.

Im Bereich der Erbschaftssteuer hat Deutschland Abkommen mit folgenden Ländern abgeschlossen:

  • Dänemark
  • Frankreich
  • Griechenland 
  • Schweiz
  • USA
  • Schweden (wegen Wegfall der Erbschaftssteuer in Schweden jedoch gegenstandslos) 

In den Abkommen ist geregelt, dass die Nachlassgegenstände dem einen oder dem anderen Staat zugeordnet werden, so dass es nicht zu einer Doppelbesteuerung kommt oder dass die Steuern, die der Erbe in einem Land bereits entrichtet hat, ihm im zweiten angerechnet werden.

Und wie läuft´s ohne Abkommen?

Nachdem Deutschland insgesamt nur mit fünf Ländern dieses Abkommen geschlossen hat, stellt sich die Frage, was nun passiert, wenn Sie Ihrem Erben ein Konto in Spanien hinterlassen?

Zwischen Deutschland und Spanien existiert kein Doppelbesteuerungsabkommen. Befindet sich das Kapitalvermögen auf einer spanischen Bank, kann der spanische Staat im Regelfall beim Tod des Kontoinhabers vom Erben Erbschaftssteuer verlangen. Auch in Deutschland hat der Erbe sein „Weltvermögen“ zu versteuern, daher fällt auch die deutsche Erbschaftssteuer an. Eine Anrechnung der einen auf die andere Steuer findet zunächst nicht statt, da ein entsprechendes Abkommen zwischen den Ländern fehlt. 

Tipp

Es gibt einen Ausweg aus der Misere: Der Erbe kann einen Antrag nach § 21 Abs. 1 ErbStG stellen. Danach gibt es die Möglichkeit, die bereits im Ausland entrichtete Erbschaftssteuer auf die in Deutschland erhobene Erbschaftssteuer anzurechnen. Es muss sich allerdings um Vermögensgegenstände im Sinne des § 121 Bewertungsgesetz handeln und die deutsche Steuer muss innerhalb von 5 Jahren nach der ausländischen Steuer entstanden sein. Ist dies nicht der Fall verbleibt es bei der Doppelbesteuerung.

Für unseren Fall: Ein ausländisches Bankguthaben ist in der Aufzählung von § 121 Bewertungsgesetz nicht enthalten. Daher ist das Erbe doppelt zu versteuern.

Wichtige Vorschriften

§ 21 ErbStG

§ 121 Bewertungsgesetz

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