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Patientenverfügung

Inhalt der Patientenverfügung

20.07.2017

... eigene Wertvorstellungen formulieren

In einer Patientenverfügung können Sie den behandelnden Ärzten und Pflegekräften Ihre medizinische Versorgung vorschreiben, wenn Sie aufgrund eigener Entscheidungsunfähigkeit nicht mehr in der Lage sind, sich verantwortlich zu äußern. Je genauer Sie im Vorfeld Ihre Wünsche und Ihre Wertvorstellungen formulieren, desto geringer sind die Auslegungsmöglichkeiten und damit die Ermessensspielräume der Ärzte im Ernstfall. So können Sie Einfluss auf eine spätere ärztliche Behandlung nehmen und damit Ihr Selbstbestimmungsrecht wahren, obwohl Sie zum Zeitpunkt der Behandlung möglicherweise nicht mehr ansprechbar und nicht mehr einwilligungsfähig sind.

Patientenverfügung InhaltFormu­lierungshilfen und Musterverfügungen werden in vielen Varianten angeboten. Sie unterscheiden sich jedoch je nach Weltanschauung oder religiöser Ausrichtung, so dass es sinnvoll ist, sich lediglich passende Textbausteine herauszusuchen und die Verfü­gung dann individuell der eigenen Lebensgestaltung und den eigenen Vorstellungen entsprechend abzufassen. Dabei sollte genau festgelegt werden, unter welchen Bedingungen eine Behandlung nicht begonnen oder nicht fortgesetzt werden darf. Die Patientenverfügung darf keine widersprüchlichen Angaben enthalten.

 

Patientenverfügung InhaltVor der Entscheidung eine Patientenverfügung abzufassen sollten Sie sich eines verdeutlichen: Es kann unter Umständen der Fall sein, dass Sie durch den Verzicht auf eine Behandlungsform auf das Weiterleben verzichten. Fragen Sie sich also, wie Sie sich Ihr Leben vorstellen. Ob Sie bereit sind, auf Ihre Selbstbestimmung und Unabhängigkeit zu verzichten um weiterleben zu können. Am Ende dieser Überlegungen sollte die Entscheidung für oder gegen eine Patientenverfügung stehen.

Anordnung

... wie die Behandlung bei Krankheit aussehen soll

Sie können mit der Patientenverfügung medizinische Behandlungen genehmigen oder untersagen.

Bei bestehender Krankheit

Sind Sie bereits krank, legen Sie in der Patientenverfügung konkret auf Ihre individuelle Situation und Krankheit abgestimmt fest, welche medizinischen Maßnahmen Sie wünschen und welche nicht.

Musterformulierung

Patientenverfügung

 

 

Mir ist bekannt, dass ich an der Krankheit XY leide. Nach Absprache mit meinem Hausarzt wünsche ich wegen der damit verbundenen Nebenwirkungen keine Behandlung mit dem Medikament Z.

 

Tipp!

Informieren Sie sich umfassend über Ihr Leiden und dessen Behandlungsmöglichkeiten. Ihr Arzt klärt Sie auf Nachfrage über erforderliche medizinische Maßnahmen und deren Folgen auf. Stimmen Sie die Patientenverfügung individuell auf Ihre aktuelle Krankheitssituation ab. Ordnen Sie eindeutig Behandlung und Behandlungsgrenzen an.

Bei guter Gesundheit

Verfassen Sie Ihre Patientenverfügung jedoch bei bester Gesundheit, können Sie nur grundsätzliche Behandlungsregelungen erlassen. Trotzdem müssen sich auch diese, nach der seit 1. September 2009 wirksamen gesetzlichen Neuregelung, auf bestimmte ärztliche Maßnahmen beziehen, damit Ihre Vorgaben als verbindlich angesehen werden. Es wird eine konkrete Situation genannt, in der Sie bestimmte Maßnahmen erlauben oder untersagen möchten.

Musterformulierung

Patientenverfügung

 

 

Im Fall von XXX wünsche ich keine künstliche Beatmung.

 

 

 

Wollen Sie aus persönlichen Gründen an sich bestimmte medikamentöse, operative oder sonstige medizinische Maßnahmen nicht dulden, wie Bluttransfusionen, Implantationen von Spenderorganen  oder die Anwendungen neuer ungetesteter Medikamente formulieren Sie beispielsweise so:

Musterformulierung

Patientenverfügung

 

 

Ich wünsche keine Übertragung von fremdem Blut, da dies nicht meiner Überzeugung als Mitglied der Religionsgemeinschaft XXX entspricht.

 

Gegen den ausdrücklichen und ernsthaften Willen des Kranken darf der Arzt nicht eigenmächtig behandeln. Eine "Zwangsbehandlung" ist nicht möglich. Mehr dazu erfahren Sie unter "Verbindlichkeit der Patientenverfügung".

Bestimmung ...

... ob lebensverlängernde Maßnahmen durchgeführt werden sollen

Sie können in der Patientenverfügung auch bestimmen, dass Sie im Falle einer Erkrankung keine Maßnahmen zur Lebensverlängerung wünschen. Auch dieser Wunsch sollten Sie jedoch auf bestimmte Maßnahmen beziehen und so konkret wie möglich formulieren. Halten Sie im Zweifel Rücksprache mit Ihrem Arzt.

Tipp!

Wägen Sie nach reiflicher Überlegung und ärztlicher Beratung Ihre Anordnungen und die sich daraus ergebenden Konsequenzen ab. Es muss für Sie bereits jetzt ganz sicher sein, ob Sie sich im Ernstfall für die Verlängerung des Lebens oder die Verkürzung des Leidens entscheiden werden.

 

... worauf Sie bei Ihrer Patientenverfügung achten sollten!

Checkliste

Geben Sie Ihren Namen, Anschrift und Geburtsdatum an

Schreiben Sie Ihren Willen ausführlich und so konkret wie möglich (am besten mit der Hand) auf
Nach der gesetzlichen Regelung in § 1901 a BGB muss sich die Patientenverfügung auf bestimmte ärztliche Maßnahmen beziehen, die bei Vorliegen einer bestimmten Situation durchgeführt oder unterlassen werden sollen. Allgemeine Formulierungen sollten Sie daher nicht treffen.

Besprechen Sie Ihre Aufzeichnungen mit Ihrem Hausarzt und ergänzen oder ändern Sie diese unter Umständen nach dem Gespräch

Unterschreiben Sie Ihre Patientenverfügung mit Ort und Datumsangabe

Informieren Sie Angehörige und Freunde über die Patientenverfügung und den Inhalt

Lassen Sie zwei Zeugen (mit Unterschrift, Ortsangabe und Datum) Ihre Zurechnungsfähigkeit und die Ernsthaftigkeit Ihres Willens bestätigen

Unterschreiben Sie die Patientenverfügung einmal jährlich und versehen Sie sie mit dem Vermerk: "Der Inhalt der Patientenverfügung entspricht weiter meinem Willen" und schreiben Sie das aktuelle Datum dazu

Hinterlegen Sie eine Kopie bei Angehörigen und Freunden

Bewahren Sie eine kleine Karte mit dem Hinweis auf Ihr Patiententestament und den Aufbewahrungsort in Ihrer Brieftasche auf

Bevollmächtigen Sie eine Vertrauensperson in einer Vorsorgevollmacht zur notfalls auch gerichtlichen Durchsetzung Ihres Willens

 

 

Wichtige Vorschriften

§ 1901 a BGB:  Patientenverfügung§ 1904 BGB:  Genehmigung des Betreuungsgerichts bei ärztlichen Maßnahmen

 

 

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